„St. Pius“ ist gegründet worden als Tochtergemeinde der altehrwürdigen Pfarrei Maria Ramersdorf. Der Bau für das Gotteshaus entstand, als rings um den Kirchplatz die Wohnblöcke für die vielen, größtenteils kinderreichen Familien förmlich aus der Erde sprossen; Wohnungen für Familien, die in der Zeit der Arbeitslosigkeit um ihre Existenz ringen mussten. Die Grundsteinlegung zur Piuskirche erfolgte am 28. Juni 1931, und bereits am Sonntag, 4. April 1932 konnte die Kirche durch Kardinal Michael von Faulhaber eingeweiht werden.
Die ältesten Außenaufnahmen zeigen die neuerbaute Piuskirche noch von Wiesen und Kornfeldern umgeben. Das damals noch unbebaute Grundstück unmittelbar südlich der Kirche konnte nach langwierigen Verhandlungen von der Stadt erworben werden und die Pfarrei hoffte, dass darauf das im Plan befindliche Pfarrheim in absehbarer Zeit gebaut wird. Dies geschah dann auch, allerdings erst in der Zeit vom 12. Juni 1987 (erster Spatenstich) bis zum 25. Juni 1987 (offizielle Einweihung).
Als denkwürdig „schwarzer“ Tag geht in die noch kurze Geschichte der Piuskirche der 12. Juli 1944 ein. An diesem Tag wurde die Kirche durch einen Bombenangriff, der hauptsächlich dem nahegelegenen Ostbahnhof und der Rüstungsindustrie galt, schwer getroffen; das Pfarrhaus wurde völlig zerstört.
Beschreibung der Kirche:
Die Piuskirche ist in ihrem äußeren Erscheinungsbild wohl einmalig in München; charakteristisch ist der wuchtige Turm als Abschluss im Osten. Sonst ist die Kirche, wie die meisten Kirchen der zwanziger und dreißiger Jahre eine dreischiffige Hallenkirche; ja sie wird gelegentlich als ein der bestgelungenen Kirchen dieser Bauperiode bezeichnet. Die Pläne für den Kirchenbau sind vom Architekten Geheimrat Professor Richard Berndl. Baumeister war Georg Berlinger von Berg am Laim. Die äußeren Maße der Kirche sind: Länge 49 m; Breite 25 m; Höhe des Kirchenraumes innen 15 m; Höhe des Turmes 28 m und Höhe des Turmkreuzes 6 m.
Die Innenausstattung der Kirche hat im Laufe der Jahre manche zeitbedingte Veränderung durchgemacht. So war ursprünglich an der Westseite (Altarraum) ein großes Fresko zu sehen, der thronende Christus auf Wolken und darunter in der ganzen Breite der Wand verschiedene Heilige der Nächstenliebe. In den Seitennischen des Langhauses waren die zwölf Apostel in Übergröße dargestellt. Diese Fresken schuf der Kunstmaler Hotter. Sie wurden bei der Renovierung 1964 abgedeckt; erhalten sind noch vom selben Kunstmaler die vier Evangelisten an der Kanzelbrüstung. Von Kunstmaler Figel stammen die 14 Kreuzwegstationen, gemalt auf Kupferplatten an den Pfeilern des Kirchenschiffes.
Die Holzbildhauerarbeiten in der Kirche sind Werke von Professor Josef Henselmann, München. Von diesem bekannten Künstler besitzen wir das schöne große Kreuz im Altarraum; die Muttergottesstatue mit dem Jesuskind; die Figur des Kirchenpatrons, des Papstes Pius V. und die lebensgroße Plastik vom hl. Bruder Konrad. Die wertvollen Bronzearbeiten, den Tabernakel, den Ambo mit dem lehrenden Christus und die sechs Kerzenleuchter hat der Bildhauer und Künstler Max Faller aus München geschaffen.
In den späten sechziger Jahren bekam die Kirche die jetzigen 14 bunten Glasfenster nach dem Entwurf von Kunstmaler Wilhelm Braun aus München und ausgeführt durch die Münchner Mosaik und Glasfirma van Treeck. Ein Höhepunkt der letzten Kirchenrenovierung war die Konsekration des neuen Altares durch Weihbischof Johannes Neuhäusler am 23. November 1969. Die Steinmetzarbeit am Altar, „die wunderbare Brotvermehrung“ darstellend, hat Steinmetzmeister Johann Steininger, München, ausgeführt.
Dank der Opferbereitschaft vieler Ungenannter in der Pfarrei konnte in den vergangenen Jahren auch eine neue Orgel gebaut werden durch die Orgelbaufirma Wendhak, Redeker und Kreuzer („WRK“) aus München. Verschiedene noch brauchbare Teile von der alten Orgel wurden dabei mit verwendet. Die Orgelweihe war am 30. Juni 1979.
Technische Daten der Orgel sind: 51 Register verteilt auf vier Manuale und Pedale; Schleifladen mit elektrischer Spiel und Koppeltraktur; Registertraktur elektropneumatisch fahrbarer Spieltisch. 3700 Pfeifen, davon ist die kleinste Pfeife 4 mm und die größte 5,60 m hoch. Orgelvollgehäuse ist aus Eichenholz und 9,50 m hoch, 6 m breit und 2 m tief. Erst 1962 bekam die Piuskirche ihre Kirchenuhr.
Im Turm hängen vier wohlklingende Bochumer Gussstahl Glocken: die „Piusglocke“ mit 78 Zentnern, die „Johannesglocke“ mit 45 Zentnern; die „Georgs Glocke“ mit 31 Zentnern und die „Marienglocke“ mit 21 Zentnern Gewicht.
Die Piuskirche ist dem heiligen Papst Pius V. Geweiht; er war Papst von 1566 bis 1572 , ein Mann von tiefer Frömmigkeit, unerbittlich und unnachgiebig in der Durchführung der Erneuerung der Kirche nach der Reformation. Pius V. war auch der letzte Papst, dem es gelang, noch einmal das christliche Abendland zum Kreuzzug gegen die Türken zu begeistern, die 1570 mit Cypern das letzte christliche Bollwerk im Mittelmeer erobert hatten. Am 7. Oktober 1571 wurden die „Mohammedaner“ in der Seeschlacht bei Lepanto besiegt. Das Rosenkranzfest am 7. Oktober erinnert uns alljährlich an diesen Tag. Der 1572 verstorbene Papst Pius V. wurde 1712 heiliggesprochen. Sein Namenstag ist der 30. April.
Zusammengestellt von Geistl. Rat Josef Wolf, Pfarrer in St. Pius Oktober 1983, überarbeitet von Norbert Heilmann.